Welche Trends beschäftigen die Branche?
KI, Vertrieb, Personalisierung, Nachhaltigkeit: Sabre hat der Branche mit einer Umfrage auf der ITB Berlin den Puls gefühlt.
Sabre hat am 5. März 2025 eine Live-Abstimmung am ITB-Kongress durchgeführt. Scott Wilson, Präsident von Sabre Hospitality, beleuchtete vier zentrale Themen rund um Vertrieb, Personalisierung, Künstliche Intelligenz (KI) und Nachhaltigkeit in der Touristik und liess das Publikum über gängige Mythen abstimmen. Die Ergebnisse bieten einen interessanten Einblick in die aktuelle Stimmung der Branche zu einigen der wichtigsten Entwicklungen im Reisemarkt.
Die Ergebnisse der Umfrage:
Der indirekte Vertrieb bleibt unverzichtbar
72% der Umfrageteilnehmenden sehen sowohl direkte als auch indirekte Vertriebskanäle als notwendig. Scott Wilson betonte, dass die Reisebranche immer komplexer wird: Airlines erweitern ihr Angebot und steigen auf NDC um, Billigflieger wachsen, bleiben aber oft ausserhalb traditioneller Buchungssysteme, und Reisende buchen nicht nur Flüge, sondern auch Hotels, Aktivitäten und vieles mehr.
Konsumenten wollen sich nicht mit dieser Komplexität auseinandersetzen – sie erwarten einfache, bequeme und vertrauenswürdige Buchungsoptionen. Doch diese Erwartungen werden derzeit laut Wilson kaum erfüllt: Eine Expedia-Studie von 2024 ergab, dass Reisende bis zu 277 Seiten besuchen, bevor sie eine Buchung abschliessen – ein deutliches Zeichen für mangelndes Vertrauen in die bestehenden Angebote.
Wilson betonte, dass die Lösung nicht sein kann, Reisende auf direkte Buchungskanäle zu beschränken, sondern darin, ihnen relevante und intelligente Wahlmöglichkeiten zu bieten, unabhängig davon, wo sie buchen möchten. Ein Omnichannel-Ansatz, der Konsistenz und Qualität über alle Plattformen hinweg sichert, sei der Schlüssel.
Personalisierung bleibt eine Herausforderung
Die Meinungen waren fast gleichmässig verteilt: 49% der Teilnehmenden stimmten zu, dass die Branche Schwierigkeiten hat, Personalisierung im grossen Massstab umzusetzen, während 51% dies nicht so sahen.
Wilson erklärte, dass breite Segmentierung zwar für allgemeine Zielgruppen funktioniert, aber nicht ausreicht: Sie berücksichtigt individuelle Vorlieben, Kontexte und Echtzeit-Intentionen nur unzureichend.
Verbraucher erwarten digitale Erlebnisse, die sich dynamisch anpassen. Doch selbst grosse Streaming- und E-Commerce-Plattformen haben Schwierigkeiten, subtile Veränderungen im Nutzerverhalten zu erkennen. Statt wirklich personalisierte Erlebnisse zu bieten, verstärken sie oft nur bekannte Muster.
Die Reisebranche kann es laut Wilson besser machen, indem sie aus anderen Branchen lernt und den Fokus auf Relevanz statt blosser Masse legt. KI biete hier eine enorme Chance: Mit KI-gestützten Lösungen können Unternehmen über traditionelle Segmentierungsmodelle hinausgehen und eine vorausschauende, wirklich personalisierte Reiseplanung realisieren.
KI ist keine Zukunftsmusik, sie ist jetzt entscheidend
65% der Befragten waren der Meinung, dass Unternehmen, die KI nicht innerhalb der nächsten drei Jahre einführen, Wettbewerbsfähigkeit einbüssen werden. Wilson legte dar, dass technologische Innovationen sich immer schneller durchsetzen – und KI ist da keine Ausnahme.
Während das Telefon 35 Jahre brauchte, um massentauglich zu werden, erreichten Smartphones diesen Meilenstein in nur fünf Jahren. KI könnte diesen Prozess sogar noch schneller durchlaufen. Dank Cloud-Technologie und riesiger Datenmengen können Unternehmen KI heute integrieren, ohne ihre gesamte IT-Infrastruktur neu aufbauen zu müssen.
Wilson betonte, dass KI bereits in zwei Bereichen erheblichen Mehrwert schafft: sichtbar für Verbraucher durch digitale Assistenten und besser werdende Personalisierung sowie im Hintergrund durch optimierte Abläufe, Logistik und Automatisierung.
Dank vorgefertigter KI-Modelle und APIs sei der Einstieg einfacher als je zuvor. Experten schätzen, dass der globale KI-Markt bis 2030 auf 1,8 Billionen US-Dollar anwachsen wird. Doch diese Expansion hat auch Konsequenzen: Der steigende Einsatz von KI wird voraussichtlich zu einem 165-prozentigen Anstieg des Energiebedarfs in Rechenzentren führen – eine Entwicklung, die neue infrastrukturelle Herausforderungen mit sich bringt.
Wilson wies darauf hin, dass Unternehmen nicht alles selbst entwickeln müssen: Partnerschaften mit Technologieanbietern wie Sabre ermöglichen eine schnelle Implementierung und einen Wettbewerbsvorteil in einer zunehmend KI-gesteuerten Branche.
Nachhaltigkeit ist wichtig, aber nur, solange sie nichts kostet
90% der Befragten stimmten der Aussage zu, dass Reisende Nachhaltigkeit zwar für wichtig halten, aber nicht bereit sind, dafür mehr zu zahlen.
Wilson wies darauf hin, dass es eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach nachhaltigem Reisen und dem tatsächlichen Buchungsverhalten gibt. Während drei Viertel der Reisenden angeben, nachhaltiger reisen zu wollen, bleibt der Preis das entscheidende Kriterium: Nur 6–13% beziehen Nachhaltigkeit tatsächlich in ihre Buchungsentscheidungen ein. Sobald nachhaltige Optionen mit höheren Kosten oder zusätzlichem Aufwand verbunden sind, entscheiden sich die meisten für den bequemeren Weg.
Wilson betonte, dass Reisende nicht mehr Auswahlmöglichkeiten brauchen, sondern bessere: Nachhaltigkeit funktioniert am besten, wenn sie nahtlos in das Reiseerlebnis integriert ist, anstatt als zusätzliche Entscheidung präsentiert zu werden. Es gehe nicht darum, Verbraucher zu überzeugen, sondern darum, eine Umgebung zu schaffen, in der die nachhaltige Wahl selbstverständlich erscheint.
Sein Fazit: Nachhaltigkeit darf kein nachträglicher Zusatz sein – sie muss von Grund auf in den Buchungs- und Vertriebsprozess integriert werden, sodass Reisende automatisch auf die nachhaltigere Option stossen, anstatt sie aktiv suchen zu müssen.
«Die Ergebnisse liefern ein klares Bild davon, wo die Reisebranche aktuell steht», sagte Scott Wilson. «Die Umfrage auf der ITB zeigt: Der indirekte Vertrieb bleibt essenziell, doch das Vertrauen der Reisenden muss gestärkt werden. Personalisierung bleibt eine Herausforderung, weil viele Unternehmen über klassische Segmentierung nicht hinauskommen.»
«KI ist längst keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit. Ihre schnelle Verbreitung wird den Wettbewerb in der Touristik grundlegend verändern und die Nachhaltigkeitsdebatte zeigt deutlich: Der Preis bleibt das wichtigste Kriterium. Nachhaltigkeit darf keine Zusatzoption sein – sie muss fester Bestandteil des Reiseerlebnisses sein, wenn wir eine echte Verhaltensänderung erreichen wollen», schliesst Wilson ab.
Quelle: https://abouttravel.ch/reisebranche/welche-trends-beschaeftigen-die-branche/